„Wir wollen Jugendliche ermutigen, aktive Mitglieder unserer Gesellschaft zu werden"
ZuBaKa hat mit dem Projekt „Sprungbrett zum Schulabschluss" den ersten Megafon-Preis der Joachim Herz Stiftung für herausragendes Engagement in der Sprachförderung gewonnen. Im Interview erklärt die Gründerin und Geschäftsführerin Anna Meister den Erfolg.
Worum geht es bei ZuBaKa?

Bei ZuBaKa bieten wir zugewanderten Jugendlichen Bildungsbausteine an. In dem Projekt, das den Megafon-Preis gewonnen hat, begleiten wir Schülerinnen und Schüler der 9. Klasse aus Frankfurt und Offenbach auf dem Weg zum Schulabschluss.

Wie arbeiten Sie mit den Jugendlichen?

Wir verfolgen bei unserer Arbeit generell drei Ziele: Wir wollen den Jugendlichen ein positives Selbstbild vermitteln, ihnen ihre Potenziale aufzeigen. Außerdem wollen wir sie in ihren sprachlichen, sozialen und berufsbezogenen Kompetenzen stärken. Und wir wollen sie ermutigen, aktive Mitglieder unserer Gesellschaft zu werden. Zum Beispiel setzen wir unter anderem ein Projekt im Frankfurter Westen um, bei dem es darum geht, Ideen zu entwickeln, mit denen das Leben im Stadtteil besser wird – und diese Ideen an die Politik zu kommunizieren und dann auch umzusetzen.

Die Arbeit mit den Jugendlichen übernehmen Studierende, oft aus Lehramtsstudiengängen, die dann mit den Lehrkräften vor Ort kooperieren. Das hat den Nebeneffekt, dass sie so schon im Studium praktische Erfahrung im Umgang mit Schülerinnen und Schülern sammeln, die nicht in Deutschland geboren und aufgewachsen sind.

"Bei uns ist jeder Kurs ein bisschen anders aufgebaut"
Innerhalb der nächsten beiden Schuljahre (2021 bis 2023) werden von ZuBaKa insgesamt 120 Schülerinnen und Schüler aus der Jahrgangsstufe 9 im Raum Frankfurt/Offenbach mit besonderem Sprachförderbedarf auf ihrem Weg zum Hauptschulabschluss begleitet.
Was macht Ihre Arbeit so erfolgreich?

Ich glaube, der wichtigste Grund ist, dass wir uns sehr stark an den tatsächlichen Bedarfen in den einzelnen Schulen orientieren und kein Einheitskonzept anbieten. Bei uns ist jeder Kurs ein bisschen anders aufgebaut. Es gibt Schulen, da konzentrieren wir uns mehr auf die Berufsorientierung, anderswo steht dann vielleicht Demokratiebildung im Vordergrund.

Was sind die grundlegenden Voraussetzungen, um gute Sprachförderung in Deutschland zu betreiben?

Für mich sind das zwei Dinge: Die Angebote müssen gut auf die Zielgruppen zugeschnitten sein, also auf die Jugendlichen, aber auch auf die Lehrkräfte. Und gute Projekte sind offen für Kooperationen. Wir planen zum Beispiel gerade, mit der SchlaU-Werkstatt in München zusammenzuarbeiten, die ja auch einen Hauptpreis beim Megafon-Preis gewonnen haben. Wir wollen von der Expertise der SchlaU-Werkstatt bei der Erstellung von Unterrichtsmaterial profitieren.

Warum haben Sie sich um den Megafon-Preis beworben?

Wir sind ein innovatives Projekt und verbinden Sprachförderung mit Persönlichkeitsentwicklung. Deswegen fühlten wir uns vom Megafon-Preis angesprochen.

Wie setzen Sie das Preisgeld ein?


Wir werden es für unsere weitere Projektarbeit verwenden, für mehr Seminare und auch, um noch mehr Studierende einzusetzen. Das Schöne an dem Preisgeld ist ja, dass wir es im Gegensatz zu öffentlichen Fördermitteln frei verwenden können. Das ist eine große Hilfe.

Was haben Sie mit dem Projekt noch vor?

Zurzeit erreichen wir insgesamt 950 Jugendliche in den Regionen Rhein-Main und Rhein-Neckar. Aber der Bedarf ist riesig. Wir werden also sicher noch größer werden. Auch indem wir, wie schon angesprochen, mit anderen Initiativen zusammenarbeiten.

Welche Tipps haben Sie für Projekte, die sich 2022 bewerben möchten?

Trauen Sie sich einfach. Es lohnt sich, mutig zu sein!

"Megafon – Preis der Joachim Herz Stiftung für herausragendes Engagement in der Sprachförderung"
Mit dem Preis zeichnet die Joachim Herz Stiftung die besten Sprachförderprojekte für Jugendliche und junge Erwachsene aus. Teilnehmen kann jede gemeinnützige Organisation aus Deutschland, die sich um die Förderung von Sprachkompetenz kümmert. Die Bewerbungsphase endet am 21. März 2022.

Der Preis wird in den Kategorien „Sprachförderprojekte für Jugendliche und junge Erwachsene von 10 – 16 Jahren" und „Sprachförderprojekte für Jugendliche und junge Erwachsene von 17 – 25 Jahren" vergeben. Beide Kategorien sind jeweils mit einem Hauptpreis in Höhe von 25.000 Euro sowie einem Förderpreis in Höhe von 10.000 Euro dotiert.

Weitere Informationen gibt es bei Lukas Kaiser, Tel. 040 533 295-58, Mail: lkaiser@joachim-herz-stiftung.de und unter: www.joachim-herz-stiftung.de/megafon.