Best Practices und Tipps von Expert:innen für Schülerforschungszentren
Rahmenbedingungen. Kooperationen. Qualitätskriterien.
Schülerforschungszentren sind wichtige Orte zur Förderung junger Menschen in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT). Hier entwickeln Kinder und Jugendliche eigene Fragestellungen und gehen ihnen mit naturwissenschaftlichen Methoden nach.

Die Joachim Herz Stiftung und die Stiftung Jugend forscht e. V. setzen sich voller Überzeugung für eine flächendeckende Etablierung von Schülerforschungszentren ein. Auch wenn bis zur Erreichung dieses Ziels noch ein langer Weg vor uns liegt, blicken wir mit einem gewissen Stolz auf die Entwicklung der vergangenen Jahre, in denen Schülerforschungszentren zu zentralen Institutionen und Playern in der MINT-Bildung wurden.

Die vorliegende Publikation hält Ergebnisse der langjährigen Zusammenarbeit der Stiftung Jugend forscht e. V. und der Joachim Herz Stiftung zusammen mit ihren Partnern fest, zeigt auf welchen Beitrag Schülerforschungszentren zur MINT-Förderung in Deutschland leisten, beschäftigt sich mit praktischen Fragen der Gründung und des Aufbaus von Schülerforschungszentren und stellt Best-Practice-Beispiele vor.
Schülerforschungszentren sind ein wichtiger Pfeiler zur Förderung des Nachwuchses im MINT-Bereich und bieten eine ideale fachliche Vorbereitung auf die berufliche Zukunft von jungen Forscher:innen. Darüber hinaus bieten Schülerforschungszentren optimale Bedingungen für Lehrerfortbildungen und liefern didaktische Ideen zur Weiterentwicklung der schulischen MINT-Bildung."
Dr. Jennifer Plath, Joachim Herz Stiftung; Christine Lenz, Stiftung Jugend forscht e. V.
128 Schülerforschungszentren gibt es derzeit in Deutschland. Davon beteiligen sich 73 aktiv in unserem Netzwerk und identifizieren sich mit den gemeinsam erarbeiteten Qualitätskriterien.
Ein Netzwerk - 73 Schülerforschungszentren
Verteilung der im Netzwerk vertretenen SFZ nach Bundesländern (Stand: Dezember 2020)
Vom Aerospace Lab bis zur Zukunftswerkstatt
Die Vielseitigkeit der Initiativen im Netzwerk ermöglicht den Blick auf Details und die Beantwortung verschiedenster Fragen, denn von kleinen, schlanken Lösungen bis zu großen Verbundstrukturen ist in der SFZ-Landschaft alles vorhanden. Und genau das macht den Mehrwert im kollegialen Austausch aus.
Wachstum
Ein langfristiges, programmatisches Ziel des Netzwerks Schülerforschungszentren ist, dass – ähnlich wie bei Sportvereinen – für alle jungen Menschen in Deutschland ein SFZ in ihrer Nähe verfügbar ist, damit sie ihren Interessen an naturwissenschaftlichen Fragen und Tüfteleien leicht und jederzeit vor Ort nachgehen können.
Konzeptwettbewerb
Gemeinsam richten wir alle zwei Jahre den Konzeptwettbewerb Schülerforschungszentren aus, der die erfolgversprechendsten Konzepte und Initiativen zur Gründung weiterer solcher MINT-Orte auszeichnet und dessen Preisgeld für die Sieger:innen oftmals ein wichtiger Grundstein für eine SFZ-Neugründung ist.
Inspiration und Austausch
Um die Vernetzung zu stärken, laden die Stiftung Jugend forscht e. V. und die Joachim Herz Stiftung einmal jährlich Akteure zu einer bundesweiten Netzwerktagung ein. Ausrichter ist stets ein anderes Schülerforschungszentrum, so dass die verschiedenen Möglichkeiten der Etablierung und Ausgestaltung vorgestellt werden und Erfahrungen direkt vor Ort ausgetauscht werden können.
Definition Schülerforschungszentren
Schülerforschungszentren sind Orte, an denen Kinder und Jugendliche allein oder in kleinen Teams in ihrer Freizeit eigenständig und kreativ eigenen Forschungsprojekten aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) nachgehen können.

Sie sind regionale, außerschulische, schul- und schulartübergreifende Einrichtungen zur individuellen Förderung des kreativen, forschenden Lernens von Kindern und Jugendlichen ohne jegliche politische, ethnische oder religiöse Orientierung.
Qualitätskriterien für Schülerforschungszentren
Die Definition wurde um folgende acht Kriterien ergänzt. Zusammen bilden sie die Grundlage zur Beschreibung eines Schülerforschungszentrums.
Fachliche Breite innerhalb der MINT-Fächer, in der Regel ohne intendierten Bezug zum Lehrplan
Projektinhalte können aus allen MINT-Bereichen gewählt werden, ein Bezug zum Lehrplan ist nicht gegeben. Die Angebote im SFZ sind keine Erweiterung des Unterrichtsstoffes und keine Plattform zur Nachhilfe oder Ganztagsbetreuung. Geistes- und Gesellschaftswissenschaften und ihre Verschränkung mit den MINT-Fächern sind wichtig, aber in der Regel nicht expliziter Teil der Förderung am SFZ.
01
Offenheit für Ideen und Themen der jungen Forscher:innen und Unterstützung bei deren selbstständiger Bearbeitung in eigenen Forschungsprojekten
Schüler:innen dürfen und sollen ihre eigenen Ideen einbringen. Die Betreuer:innen fungieren als Ideengeber:innen und Mentor:innen, die die Projektarbeiten lenken und begleiten. Sie unterstützen dabei fachlich und organisatorisch.
02
Schaffen von Wissenschaftszugängen
und das Ermöglichen von wissenschaftlichem Arbeiten für Kinder und Jugendliche
Schüler:innen werden herangeführt an das universitäre Arbeiten. Eine reine Reproduktion bestehenden Wissens ist nicht beabsichtigt. Lieber werden kleine Mengen neuen Wissens erschlossen als bestehende Themengebiete aufgearbeitet. Dabei ist das Erschließen und Entdecken von Neuem durch die Schüler:innen zentral. Die betreuende Person sollte hier nur begleiten und sich zurücknehmen, um den Schüler:innen dieses Erlebnis zu ermöglichen.
03
Offene, für alle Kinder und Jugendlichen zugängliche Angebote der Spitzen- und der Breitenförderung
Schüler:innen aller Schularten sind willkommen.
Allein das Interesse und die Motivation zählen. Es gibt keine Eingangstests oder Mindestnoten. Diese Offenheit kann bei entsprechender Eignung, Motivation und zeitlichem Engagement eines Jugendlichen auch eine längere Spitzenförderung bedeuten.
04
Begleitung durch fachlich und pädagogisch geeignetes Personal frühzeitig vernetzen
Schüler:innen werden durch ausgebildete Lehrkräfte, Promovierende, Studierende, ältere Schüler:innen oder Fachpersonal aus Unternehmen begleitet. Die Betreuer:innen müssen über eine geeignete fachliche und pädagogische Qualifikation verfügen. Rein fachlich qualifizierte Betreuer:innen sollten eine pädagogische Kraft zumindest als Co-Betreuung hinzuziehen. Schüler:innen brauchen bei Erfolgen und Misserfolgen auch pädagogische Begleitung.
05
In der Regel kostenfreie Angebote
Außer eventuell geringen Mitgliedsbeiträgen oder Beiträgen für Material- oder Reisekosten sollte es den Schüler:innen unabhängig vom Einkommen des Elternhauses möglich sein, die Angebote anzunehmen.
06
Dokumentation von Projekten/Projektergebnissen und Zielorientierung
Die Zielorientierung soll den Schüler:innen von den Betreuer:innen vorgelebt werden, ein Forschen um des Forschens Willen ist nicht intendiert. Die Teilnahme an einem Wettbewerb oder die Präsentation an anderer Stelle, z. B. bei (Schul-)Jahresabschlussveranstaltungen oder vor Firmen- oder Hochschulvertreter:innen, ist ein wesentliches Erfolgserlebnis, welches den Schüler:innen ermöglicht werden soll.
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Möglichkeiten zur Begegnung und Vernetzung von Jungforscher:innen mit Gleichgesinnten und damit die Stärkung von Sozialkompetenz
Das SFZ soll auch ein „Lebensraum" für Schüler:innen sein. Dort treffen sie Gleichgesinnte und arbeiten in Teams zusammen. Schüler:innen, die eventuell aufgrund ihrer besonderen Begabung eher Einzelgänger:innen an den Schulen sind, erleben hier, dass der Erfolg der Gruppe auch der Erfolg der oder des Einzelnen ist und dass ein Team helfen kann, einen eventuellen Misserfolg zu verarbeiten.
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