„Das war für mich die beste Zeit meines Lebens"
Serena Patjens beendet im November ihre Ausbildung zur Kauffrau für Speditions- und Logistikdienstleistungen bei der Hamburger VTG AG. Im vergangenen Herbst war die 20jährige für zwei Monate mit dem Logistikprogramm von „Azubis in die USA", einem Projekt der Joachim Herz Stiftung, in Amerika. Wir haben mit ihr über ihre Zeit in den USA gesprochen.
Warum hast du dich für den USA-Austausch beworben, für Azubis ist sowas ja eher ungewöhnlich?

Ich habe meine Ausbildung direkt nach dem Abitur angefangen – anders als viele meiner Klassenkameraden. Die sind nach der Schule erst einmal ins Ausland gegangen. Ich wollte auch Auslandserfahrung sammeln, und als mich meine Ausbilder auf „Azubis in die USA" hingewiesen haben, fand ich das super. Für mich war das die Gelegenheit, Zeit im Ausland zu verbringen und mich persönlich und beruflich weiterzuentwickeln.

Wo warst du in den USA und was hast du da gemacht?

Ich habe bei der Coastal Logistics Group in Pooler in der Nähe von Savannah gearbeitet, also in Georgia im Südosten der USA. Dort war ich vor allem im Customer Service und im Sales-Bereich eingesetzt und durfte einen amerikanischen Kollegen vertreten. Deswegen hatte ich von Anfang an Kundenkontakt und habe selbstständig Transporte organisiert. Das allein war auf Englisch schon eine Herausforderung. Aber es war auch inhaltlich viel Neues. Ich habe bei Coastal Logistics im Bereich LKW- und Seetransport gearbeitet. Das ist etwas anderes als der Eisenbahnverkehr, den ich von VTG kenne. Das hat meinen fachlichen Horizont deutlich erweitert. Und ich durfte zu Kundenterminen mitgehen und habe intern Präsentationen gehalten, zum Beispiel Auswertungen für den Sales-Bereich. Das hat mir für mein Englisch sehr viel gebracht. Das ist jetzt deutlich besser.
Serena Patjens durfte von Anfang an selbstständig Kunden betreuen. Bei Fragen standen ihr Kollegen und Vorgesetzte zur Seite.

"In den USA geht es am Arbeitsplatz entspannter zu"
Zusätzlich zu ihrem Praktikum besuche Serena Patjens Kurse am Georgia Technical College in Savannah.
Wie unterscheidet sich denn die deutsche von der amerikanischen Arbeitswelt?

Es ist zwar ein Klischee, aber es stimmt nach meinen Erfahrungen: Wir arbeiten in Deutschland immer sehr pünktlich und schnell. In den USA geht es lockerer zu. Man geht am Arbeitsplatz entspannter miteinander um und spricht auch viel über Privates. Dafür dauern die Arbeitstage dann auch länger, die Arbeit muss ja trotzdem erledigt werden.

Was bringt dir die Zeit in den USA privat und für deinen Berufsalltag in Deutschland?

Ich bin insgesamt offener geworden, selbstständiger und selbstbewusster. Es hat mir sehr gutgetan, mal aus meinem gewohnten Umfeld herauszukommen. Im Beruf bin ich bei Präsentationen deutlich sicherer. Und der Kontakt mit Kunden, vor allem aus dem Ausland, ist jetzt einfacher für mich. Ich kann viel leichter eine persönliche Verbindung zu meinen Gesprächspartnern aufbauen. Außerdem verstehe ich besser, wie Logistik insgesamt funktioniert. Also zum Beispiel, dass man bei LKW- und Seetransporten mit anderen Fristen rechnen muss als beim Eisenbahnverkehr. Das wusste ich vorher zwar theoretisch. Aber es macht einen Unterschied, wenn man einmal selbst in diesen Bereichen gearbeitet hat.

Was sollte man als Bewerber mitbringen?

Man sollte generell offen sein gegenüber dem Land und der Art, wie dort gearbeitet wird. Und ein bisschen Durchsetzungsstärke schadet auch nicht. Das Englisch muss nicht perfekt sein. Aber man sollte sich trauen, die Sprache auch zu sprechen. Dann kann es eigentlich nur gut werden. Wir haben da ja nicht nur gearbeitet, sondern auch viel von den USA gesehen. Ich habe zum Beispiel tolle Ausflüge nach Florida und in die Berge gemacht. Insgesamt war das für mich die beste Zeit meines Lebens.
"Azubis in die USA"
„Azubis in die USA" ist ein Programm der Joachim Herz Stiftung. Der nächste Austausch für Auszubildende aus der Hamburger Logistikbranche ist für den Herbst 2021 geplant. Die Bewerbungsfrist dafür endet am 30.11.2020.

Weitere Informationen gibt es bei Cornélie Krehenbrink, Tel. 040 533 295-79, Mail: ckrehenbrink@joachim-herz-stiftung.de und unter: www.joachim-herz-stiftung.de/azusa.