Von Passau über die USA ins Auswärtige Amt
Als Jugendliche hat Carolin Langner einen Traum: einmal im Ausland leben und arbeiten. Was ihr fehlt: der Glaube, dass aus dem Traum Realität werden kann. Ein Praktikum in den USA während ihrer Ausbildung ändert alles.
Als der deutsche Außenminister Heiko Maas am 23. Januar diesen Jahres Richtung Washington aufbricht, um mit seinem US-amerikanischen Amtskollegen Mike Pompeo die großen Fragen der internationalen Politik zu besprechen, fiebert Carolin Langner in Berlin mit.
Da ihre Chefin den Außenminister in die USA begleitet, ist auch die 23-jährige wochenlang mit der Zusammenstellung von Infomaterialien und Gesprächsmappen an der Vorbereitung des Treffens beteiligt.

Es ist der bisherige Höhepunkt ihrer Zeit im Auswärtigen Amt. Seit dem 1. Oktober 2018 ist sie in Berlin als Fremdsprachenassistentin im Länderreferat USA und Kanada angestellt. Ihre Aufgaben umfassen klassisches Sekretariatsmanagement – von Terminplanungen, über die Organisation von Dienstreisen bis hin zur Vorbereitung von Gesprächsmappen.

„Für mich ist mit dem Job ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen, denn nach einer gewissen Zeit werde ich auch an einer unserer 227 Vetretungen im Ausland arbeiten können", so Carolin. Ein Traum, der vor wenigen Monaten noch unerreichbar schien.
Ins Ausland, aber wie?
Carolin wuchs im bayerischen Passau auf und absolvierte hier auch ihre Ausbildung zur Eurokorrespondentin und später zur Kauffrau für Büromanagement. Sie ist eine ruhige, eher schüchterne junge Frau, die Träume hat.

Wie so viele Jugendliche schwärmte auch sie als Teenager für die US-amerikanische Serie „The Vampire Diaries". Einmal die Schauplätze der Serie in der Nähe von Atlanta mit eigenen Augen zu sehen, das würde ihr viel bedeuten. Seitdem wächst in ihr der Wunsch, im Ausland zu leben und zu arbeiten, am liebsten in den USA, der Heimat ihrer Stars.
An einen Job im Auswärtigen Amt, zu dem auch das Arbeiten und Leben im Ausland gehört, denkt sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Es ist nicht üblich in ihrem Umfeld, für längere Zeit ins Ausland zu gehen. Auch Carolin erscheint es außerhalb ihrer Möglichkeiten, einen solchen Job zu bekommen, der ihr dieses Leben erlaubt.

Zudem steckt sie mitten in der Ausbildung. Sie weiß, wie schwer es ist, als Auszubildende ins Ausland zu gehen. Im Gegensatz zu Studierenden erhalten bundesweit nur fünf Prozent eines Azubi-Jahrganges die Gelegenheit dazu. Um einmal eine Anstellung in einem anderen Land zu bekommen, wird Auslandserfahrung oft vorausgesetzt.
Eine Zeit, die ihr Leben verändert
Doch wie es mit Träumen so ist, sie lassen einen nicht los, auch wenn sie nicht offen ausgesprochen werden. Sie liest von dem Programm „Azubis in die USA" der Joachim Herz Stiftung, bewirbt sich und wird genommen.

Zwölf Wochen verbringt sie 2017 schließlich in Atlanta, wo sie ein Praktikum in der Deutsch-Amerikanischen Handelskammer absolviert. Sie unterstützt ihre amerikanischen Kolleginnen und Kollegen bei der Organisation von Events, knüpft transatlantische Freundschaften fürs Leben und belohnt sich am Ende mit einem Besuch der Schauplätze von „Vampire Diaries".

Eine Zeit, die ihr Leben grundlegend verändert hat, sagt sie heute. „Für meine persönliche Entwicklung hätte ich mir keine bessere Erfahrung wünschen können. Durch die Zeit in den USA habe ich gelernt, mir und meinen Fähigkeiten mehr zu vertrauen", so Carolin. Und wer sich selbst vertraut, kann auch seine Bedürfnisse besser ausdrücken und umsetzen.
„Ich war noch nie in meinem Leben so nervös"
„Die Version von mir zu entdecken, die vor Herausforderungen keine Angst hat."
Nach ihrer Rückkehr schließt sie ihre kaufmännische Ausbildung ab und bewirbt sich beim Auswärtigen Amt auf eine Stelle als Fremdsprachenassistentin
– sie findet sich selbst ziemlich mutig dabei.

„Ohne die Zeit im Ausland säße ich heute nicht hier. Natürlich ist dieses Praktikum eine wichtige Referenz im Lebenslauf, aber viel wichtiger ist, dass sie mir geholfen hat, die Version von mir zu entdecken, die vor Herausforderungen keine Angst hat."

Und doch war die Bewerbung nur der erste Schritt. Ein Job im Auswärtigen Amt gehört zu den begehrtesten in Deutschland, was sich auch in dem aufwendigen Bewerbungsverfahren widerspiegelt, bei dem man sich meist gegen hunderte andere Bewerber durchsetzen muss. Auch ein Gespräch mit einem Psychologen gehörte dazu.

„Ich glaube, ich war noch nie in meinem Leben so nervös", beschreibt sie die Bewerbungssituation. Doch sie meistert die erste Bewährungsprobe für ihr neues Selbstvertrauen und bekommt den Job.

In etwa zwei Jahren wird dann die erste Station im Ausland auf Carolin zukommen. In welchem Land sie neue Erfahrungen sammeln wird, steht noch nicht fest. Sicher weiß Carolin nur, dass sie es unbedingt will und auch das schaffen wird.
Azubi-Austauschprogramme
der Joachim Herz Stiftung
„Azubis in die USA"
  • Auslandsprakitka für Auszubildende
  • Wer kann sich bewerben? Azubis, die zum Zeitpunkt des Praktikums volljährig sind, ihre Ausbildung in einem Betrieb in Bayern/Hamburg oder Berlin machen und/oder eine Berufsschule in Bayern/Hamburg oder Berlin besuchen sowie über entsprechende Englischkenntnisse verfügen.
  • Bewerbungszeitraum: 1. Mai bis 30. Juni.
„GATE" - German American Training Exchange
  • Austauschförderung USA für berufsbildende Schulen
  • Wer kann sich bewerben? Bewerben können sich alle deutschen berufsbildenden Schulen, die über einen gemeinnützigen Schulförderverin verfügen. Über ihn erfolgt die Bewerbung. Die bewilligten Mittel erhält der Verein in Form einer Spende.
  • Bewerbungszeitraum: 1. September 2018 bis 30. Juni 2019 für Aufenthalte in den Schuljahren 2018/2019 oder 2019/2020.