19.-22. Mai, 2016

Das EconomyCamp

Lasst uns über Wirtschaft reden
50 Jugendliche aus Deutschland und den USA diskutieren in einem BarCamp aktuelle ökonomische Fragen. Die Diskussionen sind intensiv, die Ergebnisse überraschen.
Scott Weaver ist 19 Jahre alt. Wenn der US-amerikanische Austauschschüler mit einem spricht, dann ziert meist ein verschmitztes Grinsen sein Gesicht. Nicht nur deshalb fühlen sich bei ihm viele zunächst an den deutschen Fußball-Nationalspieler Thomas Müller erinnert. Doch Scott interessiert sich nicht sonderlich für Fußball. Ihn begeistern vor allem Wirtschaftsthemen.

Scott Weaver

Scott will verstehen, wie Wirtschaft außerhalb der USA funktioniert. Das Bankensystem in Deutschland fasziniert ihn. Er will erfahren, wie das Transatlantische Freihandelsabkommen TTIP in Deutschland gesehen wird. Und er will über all dies mit deutschen Jugendlichen diskutieren und streiten. Deshalb ist Scott beim EconomyCamp der Joachim Herz Stiftung dabei.

Vanessa Kolodziej

Die 18-jährige Vanessa kommt aus Baden-Württemberg und hat dort ihr Abitur in Wirtschaft gemacht. Nach der Schule möchte sie internationales Wirtschaftsingenieurwesen studieren. Sie will mehr erfahren über Handelsbeziehungen und über den Weg von einem Startup hin zu einem großen Unternehmen. Deswegen ist sie beim EconomyCamp dabei.
Das Setting
Das EconomyCamp ist ein viertägiges Barcamp, das im ABC Bildungs- und Tagungszentrum stattfindet, einem bäuerlichen Anwesen in Drochtersen-Hüll, in der Nähe von Hamburg.
Von den 50 ausgewählten Teilnehmern kamen 25 aus Deutschland und 25 aus den USA. Die US-amerikanischen Jugendlichen mussten nicht extra aus ihrer Heimat anreisen, da sie momentan ein Austauschjahr in Deutschland verbringen. Ein Team mit sieben Betreuern koordinierte das Camp vor Ort.
25
Deutsche Jugendliche
25
US-amerikanische Jugendliche
7
Betreuer
Das Format
Ein BarCamp lebt von der Mitarbeit und den Beiträgen seiner Teilnehmer, da das Programm erst vor Ort von ihnen selbst festgelegt wird.
In der sogenannten Sessionplanung kann jeder Themenvorschläge machen. Diese reichten von Grundsatzfragen wie "Back to the basics - What should the goal of economy be?" bis hin zu aktuellen wirtschaftspolitischen Themen wie "Ist TTIP eher eine Chance oder eher ein Risiko?".
Die Sessions
Nach einer kurzen Pause begannen die ersten Diskussionen. In den Sessions, die 60 Minuten dauern, wird über Wirtschaftsthemen diskutiert. Dabei gibt es keine Zuhörer und Redner, nur Teilnehmer. Jeder kann sich gleichwertig in die Diskussionen einbringen.

Wichtig beim EconomyCamp sind Interaktion und gemeinsame Beiträge. Die Schüler leiten und dokumentieren die Diskussionen selbst. Dabei greifen sie auf Facebook, Instagram, Twitter und Etherpad zurück.
Scott fiel die Wahl für seine erste Session leicht, da er sich bereits im Vorfeld für dieses Thema interessierte:

TTIP, das geplante Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU. Hier erzählt Scott, was er von der Session erwartet.

Die Session zu TTIP gehörte während des Camps zu den beliebtesten. Die Jugendlichen aus Deutschland und den USA diskutierten offen über mögliche Auswirkungen des Abkommens.
TTIP hat viele Facetten. Lebensmittel, Folgen für die Arbeitsmärkte oder die Energieversorgung. Über eine Sache waren sich die Sessionteilnehmer schnell einig: Es geht vor allem um Standards und um die Frage, wer von einer Angleichung profitiert – und wer Nachteile erleidet.
Und, wie ist Scotts Meinung zu TTIP nach gut einer Stunde Diskussion?

Er weiß jetzt jedenfalls, dass TTIP auch durch den Magen geht. Abgehakt ist das Thema damit nicht, aber immerhin andiskutiert.

Und die erste Runde macht Lust auf weitere Sessions, unter anderem zu den Präsidentschaftswahlen in den USA und dem Kandidaten Donald Trump.
Vanessa interessierte sich derweil mehr für das Thema Globalisierung. Globalisierung macht in Deutschland und den USA viele Produkte günstiger. Sie hilft aber auch dabei, dass sich Arbeiter am anderen Ende der Welt ein Stück Wohlstand erarbeiten können.

Ist Globalisierung also am Ende vor allem gut? Wenn ja, für wen und warum? Das war ein wichtiger Punkt, über den in Vanessas Session intensiv diskutiert wurde.
Die Freizeit
Wer so viel diskutiert, der braucht zwischendurch natürlich auch mal eine Pause. Sowohl zwischen den Sessions als auch am Abend konnten die Jugendlichen bei Tischtennis, Fußball oder Kartenspielen entspannen. Als Höhepunkt unternahm die Gruppe gemeinsam einen Ausflug nach Hamburg inklusive Bootstour und Stadtrundfahrt.
Das Fazit
Zeit für ein Fazit: Wie war es? Wurden meine Erwartungen erfüllt? Was macht den Austausch mit Jugendlichen aus Deutschland bzw. den USA so besonders? Und was gibt es zu nörgeln? Das alles haben wir unsere beiden EconomyCamper gefragt.
Redaktion & Konzeption: Sebastian Franke & Benjamin Reister
Photo credits: Claudia Höhne
Video: Johann Angermann