von Natalya Nepomnyashcha
So kann der soziale Aufstieg gelingen. Meine fünf Tipps!
Für das Magazin Capital ist sie eines der wichtigsten Talente Deutschlands: Natalya Nepomnyashcha hat trotz schlechter Startchancen Karriere gemacht. Mit ihrer Organisation „Netzwerk Chancen", die auch von der Joachim Herz Stiftung unterstützt wird, hilft sie benachteiligten jungen Menschen beim Aufstieg. Hier gibt sie fünf Tipps, wie der Aufstieg gelingen kann.
Der Begriff Chancengleichheit ist in aller Munde. Gleichberechtigung, Diversität und die Anerkennung und Förderung unterschiedlicher sozialer Hintergründe sind aber weiterhin ein hehres Ziel und noch lange nicht die gelebte Realität.

Wie steinig der Weg sein kann, wenn man nicht mit den optimalen Bedingungen gesegnet ist, habe ich selbst erlebt. Ich habe aber auch Chancen erkannt, die auf den ersten Blick nicht danach aussahen, und Möglichkeiten gefunden, mich selbst zu verwirklichen. Fünf davon möchte ich mit euch teilen:
1
Lernt für die Schule – um das Lernen zu lernen
Eine gute Schulbildung ist wichtig. Und hier insbesondere die Grund- und Allgemeinbildung. Dabei geht es aber nicht nur um Noten. Was euch im Berufsleben immer begegnen wird, sind neues Wissen und neue Herausforderungen. Wir hören nie auf zu lernen und sind gut beraten, offen und aufgeschlossen neue Informationen aufzunehmen, kritisch zu hinterfragen und die wichtigsten Erkenntnisse für uns mitzunehmen. Je eher ihr das Prinzip des Lernens für euch verinnerlicht, desto einfacher wird es euch später fallen.
2
Erkennt eure Stärken
Bist du gut in Mathe oder unterhältst du lieber all deine Klassenkamerad:innen in der Pause? Läufst du die 100 Meter schneller als alle anderen oder freust du dich am meisten auf die Experimente im Chemieunterricht?

Jeder von uns trägt etwas in sich, das ihn besonders macht. Beobachtet euch, sucht nach euren Stärken und wenn ihr sie gefunden habt, lebt sie aus und lasst sie wachsen. Genau so wird aus einer Berufung später ein Beruf.
Natalya Nepomnyashcha
und "Netzwerk Chancen"
1989 in Kiew geboren, wuchs Natalya Nepomnyashcha in einem sozialen Brennpunkt in Bayern auf. Ohne jemals Abitur erworben zu haben, machte sie 2012 einen Masterabschluss in Großbritannien. Nach dem Studium der Internationalen Beziehungen war sie u. a. für eine der weltweit größten Unternehmensberatungen sowie eine NGO aus Westafrika tätig.

2016 gründete sie nebenberuflich Netzwerk Chancen. Das soziale Unternehmen bietet ein ideelles Förderprogramm für soziale Aufsteiger zw. 18-39 Jahren und kollaboriert mit potentiellen Arbeitgebern. Gleichzeitig setzt sich die Initiative dafür ein, dass die soziale Herkunft als Diversity-Faktor anerkannt wird. Natalya Nepomnyashcha leitet die Organisation ehrenamtlich neben ihrer Vollzeitbeschäftigung.
3
Abgucken ist erlaubt
Auch wenn euch eure Herausforderungen niemand abnehmen kann, so gibt es eine Reihe an erfolgreichen Menschen, an denen ihr euch orientieren könnt. Pinar Atalay, Rüdiger Grube oder Sawsan Chebli sind nicht nur drei beeindruckende Menschen, sondern haben selbst als soziale Aufsteiger:innen ihren Weg nach oben finden müssen.

Als Vorbild oder Mentor:in kann jede/r dienen, der/die euch inspiriert. Auch wenn euch Abgucken in der Schule nicht die größten Vorteile bringt, bei der Suche nach dem richtigen Weg ist es zu jeder Zeit erlaubt.
4
Seid euer größtes Vorbild
Was jeder erfolgreiche Mensch mitbringt, ist der Glaube an sich selbst. Dieser kann bekanntlich Berge versetzen und sollte für euch der erste Schritt sein. Dein Charakter und deine Stärken machen dich einmalig. Es ist wichtig, darauf zu vertrauen, was man kann, um auch andere davon zu überzeugen.
5
Viele Wege führen zum Traumjob
Die Zeiten, in denen wir ein/e Ausbildung/Studium absolvieren und für 40 Jahre den gleichen Beruf ausüben, sind vorbei. Sowohl die Berufswelt als auch unsere eigene Entwicklung verändern sich ständig. In diesem Wandel verstecken sich viele Chancen.

Um den eigenen Weg zu finden, gilt es, auszuprobieren, was einem Spaß macht, worin man richtig gut ist und womit sich Arbeit nicht nach Arbeit anfühlt. Praktika bieten hier schon zu Schulzeiten eine gute Möglichkeit, all das unverbindlich auszuprobieren.
Ich bin fest davon überzeugt, dass es jeder/jedem gelingen kann, seinen Weg zu gehen. An der einen oder anderen Stelle benötigt man hierfür aber etwas Hilfe. Mit diesen Tipps möchte ich euch vor allem mit auf den Weg geben, dass viele Chancen in euch selbst liegen und ihr mit dem Glauben an euch und eure Fähigkeiten den Weg erfolgreich gestalten könnt. Ich drücke euch die Daumen!