Jahresbericht
2020/2021
Wir haben viel gelernt
v.l.n.r.: Henneke Lütgerath (Vorstandsvorsitzender), Nina Lemmens (Vorständin) und Ulrich Müller (Vorstand)
2020/21 haben wir als Organisation viel gelernt. Und wir sind stolz auf das, was wir gemeinsam mit dem JHS-Team trotz aller Belastungen geschafft haben. Wir konnten mit Beginn des ersten Lockdowns sofort in das mobile Arbeiten umschalten, weil unsere Prozesse bereits zu einem wesentlichen Teil digitalisiert waren. Diesen Startvorteil haben wir genutzt, um schnell neue Formen der Zusammenarbeit auf den Weg zu bringen. Programme, Konferenzen, Veranstaltungen wurden virtuell, unsere digitalen Unterrichtsmaterialien boomten, und in unseren USA-Projekten hatten wir einen intensiven Kontakt, weil es so leicht war, einander „zu sehen".

Gleichzeitig war es herausfordernd, Zusammenhalt, Anerkennung und auch den Spaß an der Arbeit in dezentralen Strukturen zu erhalten. Wir mussten Führung neu denken lernen. Und jeder und jede in unserer Stiftung war und ist gefordert, einen Beitrag zu einer lebendigen Kultur zu leisten. Unterm Strich steht für uns: Die Mischung macht's. Und unsere inhaltlichen Aufgaben sind jede Mühe wert. So gehen wir zuversichtlich in die Zukunft.
01
Finanzen
Bei allen Anlageentscheidungen wird das Ziel verfolgt, das Vermögen dauerhaft real zu erhalten und laufende Erträge zu erwirtschaften.
Als Joachim Herz 2008 starb, betrug sein Vermögen rund
1,3 Milliarden Euro (Marktwert). Das war der Grundstock des Stiftungsvermögens. Das Stiftungskapital ist überwiegend unternehmerisch investiert und gebunden. Das entspricht dem Willen des Stifters, und so ist es auch in der Satzung festgeschrieben. Der Großteil des Kapitals ist mittelbar bei der Beiersdorf AG angelegt. Hinzu kommen weitere Unternehmensbeteiligungen, wie z. B. an der VTG AG. Daneben verfügt die Stiftung über ein Immobilienportfolio in den USA und in Deutschland. Ergänzt wird das Vermögen durch ein breit diversifiziertes Wertpapierportfolio.
Ertrag, Aufwand und freie Rücklage
Im Geschäftsjahr 2020 hat die Joachim Herz Stiftung 18,9 Millionen Euro und in 2021 20,7 Millionen Euro für ihre Satzungszwecke verwendet. Seit dem Bestehen wurden rund 148 Millionen Euro für die gemeinnützige Arbeit eingesetzt.
Entwicklung der Erträge und Projektmittel
Seit der Gründung der Stiftung wurde kontinuierlich mehr Geld in Projekte investiert. Für 2022 wird mit einem Volumen von 24,6 Millionen Euro für gemeinnützige Zwecke geplant. Als überwiegend operative Stiftung werden vor allem eigene Projekte in den Programmbereichen Naturwissenschaften, Persönlichkeitsbildung und Wirtschaft initiiert.
02
Wirtschaft
Add-on Fellowship Wirtschaft

Add-on Fellow und Agrarökonom Dr. Arndt Feuerbacher forscht an der Universität Hohenheim in Stuttgart zu drängenden agrarökonomischen Fragestellungen wie dem Rückgang der Biodiversität. Seit 2020 wird er durch das Programm Add-on Fellowship for Interdisciplinary Economics and Interdisciplinary Business Administration unterstützt.

Herr Dr. Feuerbacher, in Ihren Forschungen geht es um ein drängendes Umweltthema: Biodiversität. Was können Sie uns über Ihre Forschungen berichten?

Für viele war es ein Schock, als 2017 die sogenannte „Krefelder Studie" erschien. Sie zeigte, dass innerhalb der letzten 30 Jahre die Insektenbiomasse in Naturschutzgebieten um 75 % zurückgegangen ist. Das bleibt natürlich nicht folgenlos für Ökosystemleistungen, wie wir die Dienstleistungen der Natur für uns Menschen nennen. Ich erforsche, welche Effekte der Verlust von Biodiversität auf die Landwirtschaft hat und welche ökonomischen Folgen sich daraus ergeben. Ebenso beschäftige ich mich mit den Kosten und Nutzen von biodiversitätsfreundlicher Agrarpolitik. Oftmals werden dabei nur die Kosten der Maßnahmen quantifiziert, was keine gute Grundlage für Politikempfehlungen ist.

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03
Persönlichkeitsbildung
grips gewinnt

Backtosch Mustafa wurde Ende der 1990er Jahre als Kind afghanischer Kriegsflüchtlinge in Hamburg geboren. Seine Bildungskarriere hätte leicht aussehen können wie die vieler anderer Kinder, die von ihrem Umfeld als „anders" wahrgenommen wurden. Aber: So kam es nicht. Mustafa studiert heute Medizin, hat einen Forschungsaufenthalt an der Harvard-Universität absolviert und ist Gründer einer gemeinnützigen Organisation.

Mich hat als Stipendiat vor allem ein Gefühl gestärkt: Es gibt neben meiner Familie und meinen Freunden noch mehr Menschen, die mir nicht immer nur sagen: ‚In dir steckt noch mehr Potenzial', sondern die Zeit, Geld und Arbeit investieren, damit dieses Potenzial auch zum Vorschein kommt", sagt er.

Individualförderung? Ja, bitte! Seit zehn Jahren fördern wir Schülerinnen und Schüler mit grips gewinnt, daraus ist ein agiles Netzwerk von über 800 talentierten jungen Menschen entstanden.

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04
Naturwissenschaften
Happy Birthday! 20 Jahre LEIFIphysik

Physik ist faszinierend, das finden auch die beiden bayerischen Physiklehrer Ernst Leitner und Ulrich Finckh. Am 4. Januar 2001 – noch vor Wikipedia – geht ihre Lernplattform LEIFIphysik.de online. 2011 übernimmt die Joachim Herz Stiftung das Physik-Onlineportal. Im Jubiläumsjahr bescherte das Homeschooling LEIFIphysik ein Rekordjahr in Bezug auf die Zugriffszahlen. Im Corona-Schuljahr 2020/2021 haben sich die Zugriffe von 4 auf 12 Mio. verdreifacht.

Fotowettbewerb „Physik bewegt – vom Atom bis zum Zebra"

Von Januar bis Mai 2021 fand ein großer Fotowettbewerb zum 20-jährigen Jubiläum von LEIFIphysik statt. Schülerinnen und Schüler aller Altersstufen sowie Lehrkräfte waren eingeladen, ihre Fotos einzureichen. Innerhalb von fünf Monaten sind über 700 kreative Bilder eingegangen. Die Motive reichen von der Dokumentation physikalischer Versuche, über Naturphänomene, Langzeitbelichtungen, Tieraufnahmen, bis zu Makrofotografie.


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Wassertropfen
Natürliche Linse, Wiebke, Klasse 9
Froschkönig im Regenbogen
Helena, Klasse 12
Lichtkreise
Stahlwolle, Dennis und Bianca, Klasse 11
Sterne
Lichtblick in die Vergangenheit, Pia, Lehrerin an der Oberschule zum Dom, Lübeck
05
Förderbereiche
Schule macht Technik

Die Schulglocke schallt durch die Flure des Ruhr-Gymnasiums in Witten und 20 Schülerinnen und Schüler des neunten Jahrgangs stürmen in den Chemieraum. Lehrer Dr. Thomas Schröder greift sich ein Stück Kreide und definiert die Ziele der heutigen Stunde: Bau der Tragflächen, Fertigstellung des Rumpfes, Überarbeitung der Reifen. Dann werden Bauteile aller Art und in unterschiedlichem Verarbeitungszustand aus nummerierten Kisten gezogen, geschnitten, geschliffen und geklebt.

Wo früher Reagenzgläser gelagert wurden, stehen jetzt Rechner, Bildschirme, 3D-Drucker, ein Plotter und eine CNC Fräse, mit der am Computer Schablonen konstruiert werden, die dann zu hochpräzisen Bauteilen aus unterschiedlichen Materialien automatisch ausgeschnitten werden. „Fachinhalte und praktische Fertigkeiten – mir ist wichtig, beide Bereiche miteinander zu verknüpfen", erklärt Schröder, der seit zwei Jahren am Ruhr-Gymnasium Biologie, Chemie und Bionik unterrichtet. Sein Engagement gilt dem Technikprojekt „Luft- und Raumfahrt".

Für die praktische Projektarbeit fehlen an vielen deutschen Schulen oftmals die finanziellen Mittel, um ambitionierte Vorhaben umzusetzen. Genau dort setzt der VDI-Joachim-Herz-Technikfonds an. Er fördert schulische und außerschulische Projekte mit Technikbezug mit bis zu 2.500 Euro.

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06
Übergreifendes Projekt
Unser Beitrag zum Klimaschutz: Moorschutzprojekt zum Wiedervernässen der Naturerbefläche Peenemünde

Intakte Moore nehmen große Mengen von Wasser auf, sie sind ein Lebensraum für seltene Pflanzen und Tiere, und durch ihre Torfkörper speichern sie große Mengen organischen Materials und damit Kohlenstoff. Für ihre Erhaltung spielt der Wasserstand eine entscheidende Rolle. Wenn die Moore zu trocken sind, verlieren sie ihre klimaverbessernde Eigenschaft und werden zur CO2-Quelle. Weltweit ist ein Fünftel der Moore entwässert. In Deutschland sind es knapp 95 %, und diese Flächen sind für ca. 6 % der CO2-Emissionen verantwortlich.

„Mit dem Projekt Vernässung des Peenemünder Moors" leisten wir über die nächsten 25 Jahre einen Beitrag zum CO2-Ausgleich. Denn wir sind uns unserer Verantwortung für den Klimaschutz bewusst und möchten so die langfristige und vollständige CO2-Kompensation unseres Geschäftsbetriebes erreichen", so Ulrich Müller, Vorstand der Joachim Herz Stiftung. Doch für die Wiedervernässung müssen verschiedene Interessen unter einen Hut gebracht werden.

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